Stille, Gloria und Hoffnung auf Frieden: Quempas-Singen 2022

von Günter Moseler, Westfälische Nachrichten, Sonntag, 18.12.2022, 17:05 Uhr

Münster – In der Stadt Trubel. In der Petrikirche stille Erwartung und feine Klänge. Das traditionsreiche Quempas-Singen zog die Gäste erneut in seinen Bann.

Ein Blick von der Seitenempore auf den Philharmonischen Chor und die Musiker des Bläserensembles „Embrassy“. Foto: Günter Moseler

Die Weihnachtsmärkte in Münsters Innenstand leuchten, strahlen und glänzen, als stehe ein unerhörtes Ereignis bevor. Ausgelassenheit überall, die in den Arkadenbögen im Spalier gereihten Adventskränze illuminieren unwirkliche Volksszenerien: Weihnachten. In der Luft klirrt eine arktische Note. Hoch ragt der Lamberti-Kirchturm in die Nacht, mit „Himmelsleiter“ wie ins Unendliche vorstoßend. Nur wenige Schritte vom Trubel: die kleine Petrikirche, wie eine Krippe, im Zentrum, doch nicht zentral, ohne machtbewussten Vorsitz über eine magistrale Geschäftsstraße. In beiden Galerien ums Hauptschiff saßen hier die Leute dicht gedrängt, viele Kinder, unten war alles bis auf den letzten Platz besetzt. In den Gängen stauten sich Besucher – und Mitglieder des Philharmonischen Chors Münster, aus dessen Reihen vereinzelt erste Stimmen „Silence my soul“ intonierten. Wie aus Echokammern, im geflüsterten Pianissimo, vervielfältigten sich Einzelstimmen eines chorischen Mosaiks hin zu einem polyphonen Klangbild. Das konzertante Motto des Abends „Silence und Peace“ hätte kaum suggestiver anklingen können, auch der intonationssichere Gesang des auf der Orgelempore platzierten Kinder- und Jugendchores des Paulinums wirkte wie der Erde enthoben.

Ein elegischer Grundton zog sich durchs Programm- Es war durch englische Chormusik geprägt, deren monarchische Grandezza in Philip Moores „Into a Quiet World“ oder Richard Shepards „Out of the Stillness“ aufschien. Weiter ging es über den Kanon „Dona nobis pacem“ bis zu weihnachtlichen Evergreens („Es ist ein Ros’ entsprungen“). Im Tutti-Chorgesang „O Heiland, reiß’ die Himmel auf“ waren die Zuhörer wie im finalen „In dulci jubilo“ einbezogen, während gedämpft das Blechbläserensemble Embrassy eine pastorale Kurzfassung der „Sarabande“ aus Edvard Griegs „Holberg-Suite“ op. 40 bot.

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